bornNikolas Born: 1976 erschien Nicolas Borns zweiter Roman, der jetzt wieder lieferbar ist: Die erdabgewandte Seite der Geschichte. Immer wieder zum Scheitern verurteilte Versuche, dem Leben hinterherzukommen, Beziehungsverluste, Resignationsgespinste sind die Themen. Selbstbetrachtung bis zur Aufgabe, Erkenntnis der Ausweglosigkeit als Möglichkeit, ihr immer wieder neu zu entkommen. Richtig und Falsch sind keine Kategorien; weder für den Roman, noch für das beschriebene Leben des Erzählers, der Schriftsteller ist. Was geschieht und wie blind hellsichtig wahrgenommen wird, versucht Born nicht in eine sinnhafte Konstruktion zu bringen; es bleibt so flüchtig und frei, wie es bedrückend ist. Die 68/69er Jahre der Bundesrepublik durchwirken den Hintergrund. Gewinn scheint paradoxerweise nur im Verlust des ‚Großen Ganzen' möglich. Der Roman hat gerade wegen seines ganz eigenen Tons, seiner sprachlichen Souveränität ein zumindest bis heute noch lange nicht erreichtes Verfallsdatum und Gültigkeitssiegel.
Sicher nichts, um das Buch nach der Lektüre beschwingt zuzuklappen. Aber etwas, um nachzudenken. Über das Eitle der Oberflächlichkeit, die Zerstreuungssucht, selbst noch in Zeiten der ‚Krise'. Eben drum.
Nicols Born: Die erdabgewandte Seite der Geschichte. Klartext Verlag 2008, 7,95 €

schertenleib"Der Glückliche" heißt ein Novelle von Hansjörg Schertenleib. Thies Studer ist dessen Name. Ort des Geschehens ist Amsterdam, wohin er einer Einladung eines alten Freundes gefolgt ist, um in dessen Jazzcombo für einige Auftritte den erkrankten Trompeter zu vertreten. Studer, der sich selbst als immer Glücklichen empfindet, wird während seines Aufenthaltes durch einen Hund zufällig an ein Kindheitserlebnis erinnert. Um seine daraus rührende Schuld zu sühnen, eilt er diesem Hund eines Tages zu Hilfe. Die misslingt in einem so überraschenden wie nicht unglücklichen Ende; obwohl es anders scheinen will.
Ein Buch voll zarter Klarheit und dem Grad der Lebensübersicht, der jeden Moment leicht machten möchte und eine Glücksverheißung erdet.
"Lassen wir ihn gehen, wir können nichts mehr für ihn tun." lautet der letzte Satz. Das ist alles andere als hoffnungslos; das ist das Glück des Loslassenkönnens.
Hansjörg Schertenleib: Der Glückliche. Aufbau Verlag, ISBN 978-3-7466-3376-7, € 6,95

reichlinLinus Reichlin: Gibt es Schicksal oder heißt das Zufall? Oder existiert da eine Schnittstelle beider zwischen Quantenphysik (horribile audito!) und Esoterik? Die Beantwortung dieser Frage ist die treibende Kraft des Inspecteurs der Brügger Polizei Hannes Jensen, der aus Leidenschaft für die Physik seinen Beruf quittiert hat.

In seinem zweiten Roman "Der Assistent der Sterne" lässt der Träger des ‚Deutschen Krimipreises 2009' Linus Reichlin seinen Inspecteur a. D. im Privaten ermitteln. Nicht so sehr nach einem Täter, als vielmehr nach eben dieser seltsamen Grenze. Und dabei steht sein eigenes Beziehungsglück auf dem Spiel.

Vom eisigen Island übers beengende Belgien muss er auch wider Willen erst bis ins ferne, heiße Surinam, um der Lösung nahe zu kommen. Ein Kriminalroman, der seine große, stille Spannung nicht aus knackenden Knochen und blubberndem Blut gewinnt, sondern aus ironisch fermentiertem Abgleichen von Wahrnehmungen und Reflexionen seines Wahrheit suchenden Helden. Und außerdem Physikphobikern jede Angst nimmt.

Linus Reichlin: Der Assistent der Sterne.
Galiani Verlag, 2009. 19,95 €

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