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Aus dem Archiv:

wiebus-schimmangErinnerungsräume mit Feuerwerk
Jochen Schimmang: Das Beste, was wir hatten

(links J. Schimmang, rechts A. Wiebus)

Draußen Laster nach Laster, Linienbus nach Linienbus, aufgemotze Kleinwagen mit Musik in Testosteron-lautstärke. Drinnen Jochen Schimmang, der aus seinem neuen Roman "Das Beste, was wir hatten" vorliest. Am 25.9. war Jochen Schimmang zu Gast in wiebus' buchhandlung an der Steinbrinkstrasse 249. Vor genau 30 Jahren erschien sein erster Roman "Der schöne Vogel Phönix", der um 1968 und die Folgen kreist und damals eine Art Kultstatus erreichte. Hier schon sieht er Schreiben als Möglichkeit, verloren scheinende Zeit wiederzufinden und zu "archivieren". Das gilt auch für die vielen folgenden Veröffentlichungen.

Jetzt hat Jochen Schimmang eine Geschichte der alten Bundesrepublik und zugleich die zweier Freunde geschrieben, die von ihren links fermentierten Westberliner Studentenzeiten bis in die siebziger Jahre als Ministerberater und Verfassungsschützer reicht. Das Ende der Bonner Republik 1989 ist zwar intellektuell von den gescheiten Köpfen zu verstoffwechseln, dennoch überwältigt sie das politische Geschehen, macht machtlos. Sie ziehen sich zurück. Die Berliner Republik wird nicht mehr ihre sein.

Trotz des Verkehrslärms – man könnte fast glauben, Oberhausen sei Weltstadt – gelingt es Schimmang so gut und unmerklich suggestiv zu lesen, dass das zahlreiche Publikum die Straßengeräusche überhört. Als dann die ersten Feuerwerksexplosionen der "Pyro Games" in der OLGA den Himmel über dem schrägen 'O' illuminieren, scheint das eine Hommage an den Autor zu sein, der gerade noch eine Passage vom Sylvesterfeuerwerk 1989 über dem Rheintal bei Königswinter vorgelesen hat.

Nicht nur ein brillianter Erzähler, sondern auch ein glänzender Vorleser seines Romans.

© Joachim Herbert
Dienstag, 29. September 2009